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In der Bibliothek entdeckt:

   

Juli / August 2019
 
Michael Lüders : Wer den Wind sät - Was westliche Politik im Orient anrichtet

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

ich nutze die Gelegenheit, um mich kurz vorzustellen. Ich heiße Davide, bin 26 Jahre alt und bin seit Januar ein neuer Mitarbeiter der öffentlichen Bibliothek Lana, wo ich voraussichtlich für die nächsten zwei Jahre arbeiten werde. In der Hoffnung, viele von euch in der Bibliothek zu treffen, möchte ich euch das Buch „Wer den Wind sät – Was westliche Politik im Orient anrichtet“ kurz vorstellen.
Angesichts der rezenten Terroranschläge, den kürzlichen Europawahlen und der dauerhaften Debatte zur Immigrationspolitik, wollte ich mir einen kleinen Überblick verschaffen. Das Sachbuch ist von Michael Lüders geschrieben, einen Nahost- und Islamexperten und ehemaligen Korrespondent der Wochenzeitung „Die Zeit“. Sein detailliertes Wissen kommt schon in den ersten Seiten zum Vorschein. Das Buch handelt von missglückten Militärinterventionen und Fehlentscheidungen sowie ausschließlich interessensorientierten Aktionen von Seite westlicher Staaten, allen voran USA und Großbritannien. Dabei lässt der Autor seine eigenen Gefühle beiseite und basiert sich auf Daten, Fakten und historischen Hintergründen der einzelnen Staaten und Völker. Von Afghanistan, Iran und Irak bis hin zum heutigen Syrienkrieg. Zum Vorschein kommt vor allem, wie kurzsichtige Entscheidungen schwerwiegende Folgen haben. Folgen sind nicht nur Armut, Zerstörung und mangelhafte Demokratie in den entsprechenden Ländern, sondern auch die Geburt von Terrorgruppen wie IS und Al-Qaida, die auch uns und unseren Alltag betreffen und unser Leben prägen.
Michael Lüders kritisiert in seinem Buch nicht nur die einzelnen Entscheidungen, sondern formuliert auch mögliche Lösungen. Trotz der vielen verzwickten Situationen ist das Buch sehr verständlich. Mit seinen 173 Seiten handelt es sich auch nicht um den üblichen „Brocken“ sondern es lässt sich spannend und flüssig lesen.
Persönlich kann ich das Buch nur weiterempfehlen. Das Buch hält uns vor Augen, dass man die Welt nicht in Schwarz und Weis, Gut und Böse einteilen kann, sondern dass es immer viele verschieden Grautöne gibt.
In der Hoffnung einen nützlichen Tipp gegeben zu haben, wünsche ich euch weiterhin viel Spaß beim Lesen.
Davide Cardia

 
Juni 2019
 
Wighard Strehlow : Die Ernährungstherapie der Hildegard von Bingen

Hildegard von Bingen, die von 1098 bis 1179 lebte, Benediktinerin und Universalgelehrte, wusste noch nicht viel über Vitamine, Fette oder Proteine. Doch dank ihrer genauen Beobachtungsgabe erkannt sie bereits, was heute wissenschaftlich erwiesen ist: den Einfluss der Ernährung auf die Gesundheit und das Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele. Für Hildegard von Bingen war die Discretio - das rechte Maß -von großer Bedeutung.
Dieses Buch eignet sich gut die Hildegard-Küche kennenzulernen und stellt die Ernährungstherapie Hildegards mit den folgenden Schwerpunkten vor:
•    die heilenden Kräfte in den Lebensmitteln
•    die Rezepte
•    die Kuren und Diäten für spezielle Krankheitsbilder.
In jeder Hinsicht ist die Hildegard-Heilkunde originell und einzigartig, vergleichbar mit den großen Heilungssystemen der Ayurveda-Medizin oder der Chinesischen Traditionellen Medizin.
Besonders die sechs goldenen Lebensregeln  und das Heilfasten der  Hl. Hildegard sprechen mich an,  lesen Sie das Buch und Sie werden  sich selbst davon überzeugen. Sie finden das Buch im Regal Medizin 5 im ersten Stock in unserer Bibliothek.

Maria Oberhofer

 

Mai 2019
 
Lraissa S : Larissa zwischen Himmel & Hölle

Herbstblues, Winterdepression und nun auch Frühlingsverstimmung?
Wieso immer mehr Menschen Antidepressiva erhalten und was dauerhafte Störungen damit zu tun haben.

Innerhalb der letzten zehn Jahre stieg die Zahl der Antidepressiva-Patienten in Italien um rund 26%. Der Trend sei auf verschiedene Ursachen zurückzuführen. Zum Beispiel gibt es eine Vielzahl neuer Medikamente die zum Einsatz kommen, Depression und Angststörungen sind immer weniger ein Tabuthema. Außerdem wird von arbeitenden Personen viel abverlangt, und so muss auch das klassische Burnout medikamentös behandelt werden.
Zwei Drittel der Personen, die Antidepressiva oder Tranquilizer einnehmen, sind Frauen.
In Italien steht Südtirol mit 53,63 auf 1.000 Betroffene auf traurigem Platz zwei, direkt nach der Toskana. Allerdings zahlen Südtiroler italienweit mit einem Durchschnitt von 128,7 Euro für verschreibungspflichtige Medikamente am wenigsten.

Antidepressiva beeinflussen die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin im Gehirn, sodass sich wieder ein Gleichgewicht zwischen Synapsen und Neurotransmittern herstellt. Dadurch wirken sie stimmungsaufhellend, angstlösend und beruhigend. Trotzdem können sie Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme oder Verstopfung haben. Im Gegensatz zu Benzodiazepinen, vereinfacht auch Schlafmittel oder Beruhigungsmittel genannt, machen Antidepressiva nicht abhängig.
Aus diesem Grund können Antidepressiva auch über Jahre hinweg genommen werden, so wirken sie sogar präventiv einer erneuten Krise entgegen. Dies funktioniert bei leichten bis mittelschweren Depressionen. Für dauerhafte Störungen wie Schizophrenie, bipolare Störungen oder Borderline müssen „härtere Geschütze“ aufgefahren werden, wie zum Beispiel Neuroleptika oder Antipsychotika.

Besonders Boderline ist schwer zu behandeln, denn die Probleme liegen in vielen Bereichen. Man spricht bei dieser Krankheit von einer Persönlichkeitsstörung. Betroffene sprechen von Angststörungen, Selbsthass, Selbstverletzung, Depression und Essstörungen.
Die Grenze zwischen psychischen und physischen Schmerz ist verschwommen. Viele Borderliner verletzen sich selbst mit Teppichmessern, Rasierklingen und Bleistiftanspitzern, andere betrinken sich oder nehmen Drogen. Das Ziel ist es, entweder sich selbst zu spüren oder alles auszuradieren – oft auch unlogischerweise beides zugleich.
Typisch für Borderliner ist impulsives, oft suizidales Verhalten, instabile zwischenmenschliche Beziehungen und ein gestörtes Selbstbild. Bereiche wie Gefühle, Denken und Handeln sind durch die Störung beeinträchtigt. Paradoxe Verhaltensweisen können für die Betroffenen eine Minderung der Lebensqualität bedeuten. Die Persönlichkeitsstörung kann sich mit anderen Krankheitsbildern überschneiden, zum Beispiel mit Depression.
Im Buch „Larissa zwischen Himmel und Hölle“ spricht eine Betroffene offen über ihr Leben mit der Borderline-Erkrankung, in der Form eines Tagebuchs. Das Buch ist in der öffentlichen Bibliothek Lana erhältlich.

Lena Ladurner

 

April 2019
 
Tana French : Totengleich

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
was gibt es Schöneres, als in der Bibliothek zu schmökern und das Buch zu Hause mit einer Tasse Tee oder Kaffee zu genießen? Gerade hat mein Praktikum in der öffentlichen Bibliothek in Lana begonnen und ich darf für ein halbes Jahr zusammen mit einem aufgeschlossenen, kompetenten Team arbeiten, was mich sehr freut. Ich selbst bin eine begeisterte Leserin und möchte euch eines meiner Lieblingsbücher vorstellen. Es ist der zweite Band rund um Detective Maddox.
Als die junge Polizistin Cassandra Maddox zu einem Tatort gerufen wird, ist es nur ein Tatort wie jeder andere – bis sie das Opfer sieht. Es ist eine junge Frau, schulterlange blonde Haare und schlank. An sich nichts besonderes, doch sie gleicht Cassandra auf das Haar. Es ist, als würde sie in einen Spiegel blicken.
Frank, ihr Kollege aus dem Morddezernat, überredet Cassandra, dass sie in die Rolle der Toten schlüpfen soll, um den Mordfall zu lösen. Mit der Erklärung, sie wäre nicht tot gewesen, sondern nur bewusstlos und hätte im Koma gelegen, wird Cassandra in die Wohngemeinschaft geschickt, in der das Opfer lebte. Dort muss sie sich wie die junge Frau verhalten und schnell lebt sie sich in die Gemeinschaft mit ihren vier Mitbewohnern ein. Doch kann sie den Mord auch aufklären?
Das Buch ist sehr spannend aufgebaut und detailverliebt. Die einzelnen Bücher sprechen für sich, man muss also nicht die ganze Reihe lesen um die Geschichte zu verstehen.


Ich wünsche allen viel Freude am Lesen und würde mich freuen, Sie in der Bibliothek Lana zu sehen.
Lena Ladurner

März 2019

Entzauberte Union. Warum die EU nicht zu retten und ein Austritt keine Lösung ist

Als mir das kleine Büchlein in der Bibliothek ins Auge sprang, war ich zuerst mal positiv überrascht: ein so brandaktuelles politisches Handbuch in der Gemeindebibliothek! (3. Auflage vom Januar 2018)
Der Untertitel hat meine Neugierde vollends geweckt, und auch nicht zu viel versprochen. Durch die kritische Reflexion von insgesamt 28 AutorInnen/ExpertInnen aus sozialen Bewegungen und Forschung wird das  „Friedens- und Wirtschaftsprojekt EU“ in dessen Komplexität aufgearbeitet und dessen Ziele mit Folgen für uns BürgerInnen erklärt. Der/die LeserIn wird informiert und zugleich desillusioniert: die neoliberale Politik „ist so tief in den Verträgen und Strukturen der EU verankert, dass alternative Wirtschaftspolitik fast unmöglich wird“ und eine „echte progressive EU-Sozialpolitik, die diesen Namen auch verdient [...] völlig unrealistisch“ ist. So trägt sie „[…] zur gesellschaftlichen Spaltung innerhalb der einzelnen Gesellschaften und zwischen den europäischen Ländern bei.“ Wodurch sie den Boden für rassistische und nationalistische Politiken bereitet.
Das Büchlein enthält Analysen zu 12 großen Politikfeldern, darunter Agrarpolitik, Lohnpolitik, Flüchtlingspolitik, Geldpolitik. Konsequenzen und Strategien runden das Buch ab.
In allen drei Abschnitten finden sich viele Verknüpfungen und Untermauerungen mit hochaktuellen Gegebenheiten wie der Griechenland-Affäre, dem Brexit, den  Rechtsrucks; und mit zahlreichen Alternativen wie dem Munizipialismus in den spanischen Städten „[...] Barcelona und Madrid, welche die Stadt als Ausgangspunkt für eine andere Politik nutzen.“
Ziel des Buches ist ein Umbau der EU, damit der Mensch wieder im Zentrum des politischen Handelns steht. Eine dahingehend bedeutsame Reform der EU ist laut den AutorInnen demokratisch nicht möglich. Dies muss der/die LeserIn erst mal verdauen.
Doch damit gibt sich der Herausgeber attac nicht zufrieden: in den zentralen Beiträgen werden Strategien und Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt, um der Vision eines guten Lebens für alle näherzukommen.
Diese Strategien lassen mich in die Lanaer Gemeindebibliothek zurückkommen:  
Das Handbuch liefert durch die vielen (spannenden und teils ernüchternden) Informationen über Aufbau und Ausrichtung des „Projektes EU“ Anstoß zu einem neuen Umgang mit dem Thema. Folglich nährt das Buch auch die Gespräche mit Anderen und hilft beispielsweise, Aussagen regionaler und nationaler Politiker (zur  Austrittsdebatte,..) kritisch zu hinterfragen.  Dies finde ich wichtig, denn das Thema EU spaltet die Gesellschaft in die oft zu oberflächlichen Kategorien  EU-Freunde und EU-Gegner. Dadurch wird eine konstruktive und detailreiche Diskussion über Formen zwischenstaatlicher Zusammenarbeit, über politische Rahmen für ökologisches, sozial-gerechtes und demokratisches Leben und Wirtschaften unterbunden .
Entzauberte Union hat es verdient gelesen zu werden, und dies eben nicht nur von PolitikwissenschaftlerInnen u.A., sondern von BürgerInnen wie Du und Ich. Denn es geht um Bildung und Teilhabe von unten.

(Das von Attac herausgegebene Buch kann in der Bibliothek ausgeliehen werden. Im Hinblick auf die EU-Wahlen im Mai und aufgrund der Handlichkeit sowie des akzeptablen Preises von zirka 15 Euro lohnt sich auch die Bestellung im Buchladen oder über den Verlag Mandelbaum).
Sarah Kofler

 

Jänner 2019

Sabrina Janesch: Die Goldene Stadt

Der Dschungel, notierte Berns in seinem Tagebuch, ist eine Bestandsaufnahme, eine Prüfung, eine Wägung. Was man an Ausrüstung und Charakter nicht mit hineinnimmt, kann man dort nicht erwerben. Alle Kraft, Disziplin und Entschlossenheit muss bereits vorhanden sein, denn in Zeiten der Herausforderung wird nicht dazugewonnen, sondern nur abgefragt.

Wie wahr sind die Worte Berns! Wer einmal tief im Urwald war versteht diese Aussage. Vogelspinnen gibt es in Peru’s Dschungel zuhauf und nicht etwa Taranteln, wie im Buch beschrieben. Dennoch versteht die Autorin Janesch wie kaum eine Zweite in aufregender, informativer und plastischer Form einen ganzen Roman auf über 500 Seiten zu schreiben.

Im Buch finden sich große Namen wie „von Humboldt“ und „von Tschudi“ wieder. Gewidmet ist der Roman allerdings jemand Unbekannteren, nämlich dem deutschen Berns. Die Goldene Stadt stellt eine Mischung aus Expeditions- und Abenteuerroman dar, ist jedoch auch eine Biografie des deutschen Entdeckers Berns. In einem sehr bildhaften, ja teilweise fast schon zu ausschweifenden Erzählstil schildert die junge Autorin Gefahren, Herausforderungen und geheimnisvolle Schätze im Dschungel Perus. Die Beschreibungsfreude von Janesch sowie ihre Fabulierlust machen auch dem Leser große Lust, mehr über die Zeit, Expedition und die Inka zu erfahren. Wie in meiner Jugendzeit habe ich das Buch in einem Rutsch gelesen, zu neugierig war ich was als nächstes kommt.

Als ich selbst das erste Mal in Macchu Picchu war, habe ich sofort begriffen, dass das weit mehr als bloß die Ansammlung von vor Jahrhunderten zusammengefügter Granitquadern ist. Gelegen im Herzen der Cordillera Vilcabamba, in einer schwer zugänglichen Region der peruanischen Anden, ist es Symbol einer übermenschlichen Anstrengung, einer Manie. Und dieses El Dorado hat nicht etwa Hiram Bingham wiederentdeckt, sondern wie sich durch die intensiven Recherchen von Janesch heraustellt, Rudolph August Berns, aka Augusto Berns. Und der Erzählung des Buches nimmt man es tatsächlich ab, dass es so passieren können hätte: Es handelt sich bei “Die Goldene Stadt” um einen Roman, der zwar auf historischen Fakten basiert, aber auch Fiktionales über Berns Leben untermischt. Die Leser dürfen sich über eine spannende und noch unverbrauchte Geschichte freuen.

Patrick Egger

 

Dezember 2018

Jochen Till: Luzifer junior - Zu gut für die Hölle

Luzifer junior ist, wie der Name ja schon verrät, der Sohn des Teufels. Er fühlt sich pudelwohl in der Hölle und hat viel Spaß mit seinem Hausdämon Cornibus. Aber Luzifer senior- der Chef der Hölle - hat ein Problem mit seinem Junior Luzi u.z. ist dieser viel zu gut. Und „Gut-Sein“ ist natürlich eine Eigenschaft, die ein Teufel eben nicht haben sollte. Wie bringt man also einem kleinen Teufel das Böse-Sein bei? Ja genau, in dem man ihn auf die Erde schickt – denn von den Menschen kann man das Böse-Sein wunderbar lernen.
Luzi ist von dieser Idee aber alles anders als begeistert, er will in der Hölle bleiben. Die Hölle ist nämlich ein spannender und unterhaltsamer Ort - Luzifer senior ist sehr einfallsreich und hat verschiedene Abteilungen geschaffen, je nach Vergehen werden die Menschen  auch unterschiedlich bestraft. So gibt es z. B. eine Abteilung für notorische Falschschreiber – dort müssen die Falschschreiber den ganzen Tag auf einer dämonischen Schreibmaschine tippen und sobald sie eine Fehler machen, beißt ihnen die Schreibmaschine einen Finger ab. Auch die Heavy Metals Fans werden eigens bestraft, sie werden den ganzen Tag mit Volksmusik beschallt.
Ob Luzi nun will oder nicht, Luzifer senior braucht einen richtig bösen Nachfolger, also muss Luzi hoch auf die Erde in ein Internat.
Auf der Erde angekommen, beginnt ein vollkommen neues Leben für Luzi. In der Hölle unsterblich, wird er auf der Erde mit höllischen Schmerzen konfrontiert: er schneidet sich mit einer Buchseite in den Finger und wird sofort ohnmächtig. Auch Gefühle sind in der Hölle ein Fremdwort – als Luzifer das erste Mal weinen muss, gerät er in Panik, denn er glaubt, sein Gesicht zerfließt und löst sich auf.
Im Internat merkt Luzi schnell, wer die richtig bösen Jungs sind und er will in ihre Clique aufgenommen werden, um das Böse-Sein zu lernen. Dafür muss er eine Mutprobe absolvieren – diese Mutprobe ist für Luzi aber nicht machbar. Wieso soll er jemanden, der nichts Böses getan hat, Böses tun? Das kann Luzi nicht verstehen und das will Luzi auch nicht verstehen. Daraufhin wendet er sich von den bösen Jungs ab und findet 3 tolle Freunde – auch dies eine neue Erfahrung für den kleinen Teufel: Freunde haben!
Als Sohn des Teufels hat Luzi auch auf der Erde dämonische Kräfte – er weiß aber gar nicht, welche dämonischen Kräfte er hat, diese tauchen in den unmöglichsten Situationen einfach auf und sorgen für manches Chaos. Für ständiges Chaos sorgt Cornibus – der Hausdämon von Luzi. Er hat sich heimlich mit auf die Erde geschmuggelt, weil er ohne Luzi nirgends sein möchte. Cornibus hat die Fähigkeit, sich in jedes beliebige Tier zu verwandeln. Meistens nimmt er die Form einer dicken Hauskatze an, liegt auf Luzis Bauch, lässt sich kraulen und verschlingt Schokolade. Wenn aber Gefahr für Luzi droht, wird Cornibus auch schnell mal zu einem gefährlichen Löwen oder mächtigen Tyrannosaurus Rex. Dies alles sorgt dafür, dass das Leben von Luzi auf der Erde nie langweilig wird!
Das Buch „Luzifer Junior“ ist eines der schönsten Kinderbücher, die mein Sohn und ich bisher gelesen haben. Und es eignet sich hervorragend als Familienlektüre – die Kids lesen einige Seiten vor und dann kann die Vorlesestunde für Mamis und Papis beginnen – und liebe Eltern, das ist wirklich ein Buch, an dem auch Erwachsene ihren Spaß haben, denn dem tollen Humor von Till Jochen kann sich kaum jemand entziehen.  Und für alle, die Gefallen an diesem Buch finden, gibt es gute Nachrichten - es gibt nämlich noch 4 weitere Bücher aus der Reihe „Luzifer junior“!

Anita und Patrick Strozzega

 

November 2018

Das Ende der Megamaschine

Lesen kann verschiedene Wirkungen haben. Entweder muss man dauernd lachen (z.B. beim Lesen alter Micky Maus Hefte) oder man bekommt eine Erleuchtung (z.B.: bei den Walsh-Büchern) oder es trifft einen wie ein Hammer.
Letzteres ist mir beim Buch „Das Ende der Megamaschine“ geschehen, genauso wie Bekannten,  mit denen ich mich darüber unterhalten habe. Denn hier werden komplexe Zusammenhänge verständlich und ungeschönt erklärt.
Was ist die „Megamaschine“? Es ist eine Art bildlicher Ausdruck von einer Energie, die über Jahrhunderte die Menschen zu einem bestimmten, häufig zerstörerischen Handeln antreibt. Sie ist zusammengesetzt aus den Machtgruppierungen Politik, Finanz und Wirtschaft, Militär, z.T. Kirche, die voll in das Privatleben der Menschen eingreifen, um sie sich für ihre eigenen Ziele zunutze zu machen.  Dieses Macht-Konglomerat  zermalmt alles, was ihm im Wege steht. Seine Antriebskräfte sind die Herrschaft und die Gier. Diese Kräfte zetteln Kriege an, beuten ganze Völker aus oder zerstören diese total, Stichwort Kolonialisierung.
Sie zwingen Massen von Menschen in die Armut, um sich selbst zu bereichern. Durch mediale Benebelung halten sie die Menschen in Unwissenheit, damit diese nicht aufstehen und ihr Joch abschütteln. Sie versprechen dem Volk ewiges Glück und Gerechtigkeit im Jenseits, damit es im Diesseits Ruhe gibt. Sie vergewaltig(t)en die Erde, indem sie ihr die Rohstoffe entreißen, um das Eisen zu gewinnen, mit denen sie Waffen schmieden, um andere Völker zu überfallen. Sie erfanden die Silbermünzen, um die Soldaten für ihre Eroberungsfeldzüge zu bezahlen. Dazu brauchten die Herrscher auch noch das Volk, dem sie Steuern und Abgaben abpressten, nur um die Megamaschine am Laufen zu halten. Es gab Zeiten, wo 80% der Staatsausgaben ins Militär flossen. Und heute? Wie viel Geld und Macht hat die Rüstungsindustrie heutzutage?
Ich rede hier von der Vergangenheit, von der Gegenwart und ich fürchte, auch von der Zukunft.
Also: Hopfen und Malz verloren? Nein nicht ganz. Der Autor versucht, sich selber Mut zu machen. Er hofft auf die neuen Medien, die nicht mehr so leicht von oben zu kontrollieren sind. Er hofft auf einen zukünftigen Widerstand der Jungen.  Viele wollen Gerechtigkeit, wahre Demokratie, natürliche Nahrung, weniger Ausbeutung von Mensch, Tier, Pflanzen und Erde. Wir wollen, dass die Religionen aufhören, uns Märchen zu erzählen und sich stattdessen auf das Wesentliche, die Nächstenliebe, konzentrieren. Wir wollen, dass die besten Leute an die Macht kommen, wir wollen, dass Kriege eingestellt und nicht immer wieder neu angezettelt werden usw.

Der Autor ist kein Verschwörungstheoretiker! Wenn man dieses Buch liest, gehen einem die Augen auf. Denn man schaut ein wenig hinter die Kulissen des großen Welttheaters…

Das Buch „Das Ende der Megamaschine“ ist von Fabian Scheidler geschrieben. Hut ab! Eine Meisterleistung. Auch wenn es manchmal zum Verzweifeln ist, - das Leben ist trotz allem schön.

Diese Buchbesprechung widme ich einem Freund, der das alles bereits weiß und noch sehr viel mehr – Ernst Zuegg.

Paul Tanzer

 

 

Oktober 2018

Mister Weniger von Andrew Sean Greer

Mein Name ist Birgit Windegger,  ich bin 22 Jahre alt und studiere Deutsche Philologie in Wien. Aufgewachsen bin ich im Ultental und seit Februar ansässig in Lana. Im Sommer 2018 durfte ich in der Bibliothek Lana ein Praktikum absolvieren. Die Zeit in der Bibliothek war sehr angenehm und spannend und sehr schnell vorübergegangen. Auch habe ich mehrere Bücher in der Bibliothek entdeckt. Die Entscheidung fiel schlussendlich auf ein Buch, welches mich ausgewählt hat. Beim Einbinden fiel mir „Mister Weniger“ von Andrew Sean Greer in die Hände und wollte gelesen werden. Dabei handelt es sich um eine Liebeskomödie, spannend, lustig und unterhaltend.

Nachdem Freddy beinahe 10 Jahre lang Arthur Wenigers Liebhaber war, trennt er sich von ihm um Monogam zu werden und zu heiraten. Gleich darauf entschließt sich der Verlassene jede Einladung, die er seinem Job verdankt, anzunehmen, um bei der Hochzeit nicht anwesend sein zu müssen. Arthur will sich ablenken, aber oft genug kommt es vor, dass er in Gedanken an einem anderen Ort ist: In seiner Kindheit, bei Freddy, aber auch bei anderen vergangenen Liebhabern. Während der Reise trifft der Autor auf viele verschiedene interessante Charaktere und Orte. Er trifft mehrfach die Liebe, welche nie optimal läuft. Zum Schluss kommt alles anders als man vielleicht erwartet hätte…

Vielen Dank für die Zusammenarbeit aller, die in der Bibliothek arbeiten und mithelfen. Viele spannende Lesestunden für den Oktober wünscht:

Birgit Windegger

 

September 2018

Frostnacht von Arnaldur Indridason

Ich durfte heuer zum zweiten Mal ein Sommerpraktikum in der Öffentlichen Bibliothek Lana absolvieren. Mein Aufgabenspektrum ist sehr breit: Neue Bücher auspreisen und einbinden, das Interagieren mit den Kunden an der Theke und das Erstellen von Ausstellungen. Zudem kontrolliere und räume ich täglich Dutzende Bücher ein. Dabei ist mir ein Taschenbuch sofort ins Auge gefallen: Frostnacht von Arnaldur Indridason. Der Klappentext und das Cover hatten mich sofort dazu gebracht den Islandkrimi zu lesen.


Ein offenbar kaltblütiger Mord an einen 10-jährigen Jungen isländisch-thailändischer Abstammung namens Elias sorgt in ganz Island für Unruhe. Aufgrund des ungewöhnlich kalten Winters ist der hilflose Junge im eigenen Blut am Boden festgefroren. Die Ermittler der Kripo Reykjavik stehen vor einem großen Rätsel. Sie beginnen die Ermittlungen indem sie sich auf das direkte Umfeld des Kindes konzentrieren: die Lehrer, die Mitschüler und die Angehörigen. Es gibt kaum Spuren, der Einzige der wichtige Informationen über das Geschehen haben könnte, ist der Bruder des Ermordeten. Dieser aber ist spurlos verschwunden. Immer wieder stoßen die Ermittler auf die Themen Rassismus und Migration, die in Island eine große Rolle spielen. Hauptkommissar Erlendur kämpft außerdem mit seiner eigenen Vergangenheit. Als kleiner Junge, gerieten er und sein Bruder in einen Schneesturm; nur Erlendur konnte gerettet werden. Sein Bruder ist seitdem verschollen. Und als wäre das nicht genug, stirbt auch noch sein Kollege Marian Brem. Zudem sucht die Polizei auch einen untergetauchten Kinderschänder. Schließlich wird die Tatwaffe gefunden, die den Kommissaren auf die Sprünge hilft. Es ist ein Schnitzmesser, das aus dem Werkunterricht an Elias Schule gestohlen wurde…

Ein großes Dankeschön an das gesamte Bibliotheksteam und viel Spaß beim Lesen des Buches!
Eure Elisa

 

Juli 2018

Hillbilly-Elegie von J.D. Vance

„Zeit ist eine subjektive Wahrnehmung – manchmal vergeht sie quälend langsam, und manchmal viel zu schnell. Vor allem schöne Momente neigen dazu, viel zu rasch vorbei zu sein. Die letzten acht Monate, während derer ich als Zivildienerin in der Bibliothek Lana tätig war, sind für mich wie im Flug vergangen. Nach dem Abschluss meines Studiums bot mir der Zivildienst die ideale Gelegenheit um die vielfältigen Aufgaben eines/r Bibliothekar/in zu erlernen und mich so auf die Teilnahme an einem öffentlichen Wettbewerb vorzubereiten. Von der Einarbeitung verschiedener Medienarten, über die Mitarbeit an verschiedenen Projekten, wie der Sommerleseaktion für Kinder und Jugendliche,  bis hin zur Leserbetreuung an der Theke war immer Abwechslung geboten und kein Tag glich dem anderen. Die vielen positiven Erfahrungen im direkten Kontakt mit den Bibliotheksbesuchern und  die lockere, angenehmen Atmosphäre im Bibliotheksteam  bestärkten mich in der Entscheidung, dass ich auch zukünftig in diesem Bereich tätig sein möchte.
Und natürlich entdeckte ich immer wieder neue Bücher, Spiele und Filme, welche mich in eine andere Welt entführen und/oder meinen Horizont erweitern. Hier ein kleiner Vorgeschmack auf meine jüngste Entdeckung:
„Hillbilly-Elegie: Die Geschichte meiner Familie und einer Gesellschaft in der Krise“ von J. D. Vance lässt sich wohl am ehesten als Sachroman beschreiben. Die einst stolze Arbeiterschicht des Rust Belt im Nord-Osten der Vereinigten Staaten fühlt sich nach dem Niedergang der alten Industrien vom Rest der Gesellschaft abgehängt und übervorteilt. Tabletten- und Alkoholabhängigkeit, schlechte Schulbildung, Arbeitslosigkeit und Gewalt bestimmen den Alltag der als  Hillbillys oder Hill-People bezeichneten Bevölkerungsgruppe. Viele von ihnen leben am Existenzminimum, doch anstatt nach Lösungen zu suchen und ihre Situation zu verbessern, haben sie die Hoffnung auf eine bessere Zukunft schon lange aufgegeben. Anhand seiner Familiengeschichte versucht Vance zu erklären, wie es zu der gegenwärtigen Misere der amerikanischen Mittelschicht kam, wie sich die Resignation der Hillbillys auf ganz Amerika auswirkt und wie es zum Wahlerfolg von Donald Trump kommen konnte.

Jutta Egger